Die Regens-Wagner-Stiftung in Lautrach begleitet Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen und entwickelt Wohn- und Unterstützungsangebote, die Teilhabe und Selbstbestimmung fördern. Im Rahmen geplanter Neubauten für Wohn- und Pflegeangebote stellte sich die Frage, wie digitale Technologien von Anfang an sinnvoll mitgedacht werden können. Welche Lösungen erleichtern den Alltag der Klient*innen, entlasten die Mitarbeitenden und sind zugleich nachhaltig sowie wirtschaftlich sinnvoll? Gemeinsam mit pulsnetz MuTiG suchte die Stiftung nach Antworten.
Vielfältige Angebote – doch welche sind sinnvoll?
Digitale Assistenzsysteme, Smart-Home-Anwendungen, digitale Dokumentation oder energieeffiziente Gebäudetechnik: Die Auswahl war groß, die Entscheidung komplex. Zwar hatte die Stiftung bereits Erfahrungen mit digitalen Anwendungen, doch eine übergreifende Digitalisierungsstrategie fehlte. Viele Fragen blieben daher offen: Welche Technologien passen zu den unterschiedlichen Bedürfnissen der Klient*innen? Wie lassen sich Datenschutz und technische Integration sicherstellen? Und welche Lösungen sind langfristig tragfähig? Klar war: Digitalisierung sollte nicht erst nach Fertigstellung der Gebäude beginnen, sondern von Anfang an Teil der Planung sein.
Von den Anforderungen zur Technologieauswahl
Die Beratung durch pulsnetz MuTiG dauerte mehrere Monate und kombinierte digitale Termine mit einem Besuch des Trucks der Digitalisierung (TruDi). Ziel war es, passende digitale Lösungen für die Einrichtung zu finden. Mitarbeitende aus Leitung, IT, Pflege, Wohnbereich und Key-User brachten ihre Perspektiven ein.
Zu Beginn wurden Anforderungen gesammelt, Themen gebündelt und die Vision für die Neubauten geschärft. Anschließend erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Technologien und deren Einsatzmöglichkeiten. Marktüberblicke, Praxisbeispiele und Nutzwertanalysen halfen, die Optionen systematisch zu bewerten.
Im Fokus standen Assistenzsysteme zur Sturzprävention, Technologien zur Förderung von Teilhabe und Selbstständigkeit, Smart-Home-Lösungen für Licht- und Klimasteuerung sowie digitale Anwendungen zur Unterstützung von Arbeitsabläufen. Auch nachhaltige und energieeffiziente Gebäudetechnologien wurden in die Überlegungen einbezogen.
Nicht die Technik, sondern der Nutzen zählt

Eine zentrale Erkenntnis: Es gibt nicht die eine ideale technische Lösung. Entscheidend ist, dass digitale Systeme zu den Bedürfnissen der Klient*innen, den Arbeitsabläufen der Mitarbeitenden und den Rahmenbedingungen der Einrichtung passen. Im Mittelpunkt stand daher nicht die Suche nach einzelnen Produkten, sondern die Entwicklung einer fundierten Entscheidungsgrundlage. Mithilfe von Marktüberblicken und Nutzwertanalysen bewerteten die Beteiligten Technologien nach Mehrwert, Aufwand und Alltagstauglichkeit.
So entstanden konkrete Ideen für die weitere Planung – etwa in den Bereichen Smart Home, digitale Lagerhaltung, Bewohner-WLAN oder Assistenzsysteme im Wohnumfeld. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig es ist, Datenschutz, IT-Infrastruktur und Nachhaltigkeit frühzeitig einzubeziehen.
Erfolgsfaktor: Beteiligung schafft Akzeptanz
Ein Schlüssel zum Erfolg war die Einbindung aller relevanten Akteur*innen. Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen brachten ihre Erfahrungen und Anforderungen ein und bewerteten gemeinsam, welche Lösungen im Alltag wirklich helfen können. Regelmäßige Termine, eine klare Struktur und die neutrale Begleitung durch die Beratung sorgten für Orientierung. Statt spontaner Einzelentscheidungen entstand so ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Digitalisierung künftig gestaltet werden kann.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Digitalisierung kein einmaliges Projekt ist. Neue Technologien müssen regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und an veränderte Anforderungen angepasst werden. Die Beteiligten nahmen aus dem Prozess die Erkenntnis mit, dass erfolgreiche Digitalisierung vor allem eines braucht: Kontinuität und die Bereitschaft, dranzubleiben.
Ein Ansatz mit Vorbildcharakter
Das Beispiel der Regens-Wagner-Stiftung zeigt: Digitalisierung gelingt, wenn sie frühzeitig und gemeinsam geplant wird. Gerade Neubauprojekte bieten die Chance, digitale Technologien, Nachhaltigkeit und organisatorische Anforderungen von Anfang an zusammenzudenken. Methoden wie Marktüberblicke, Nutzwertanalysen und die Einbindung verschiedener Berufsgruppen lassen sich auch auf andere Einrichtungen übertragen. Sie schaffen eine belastbare Grundlage für Investitionsentscheidungen und helfen, Lösungen zu finden, die langfristig Mehrwert bieten.
Das Beratungsangebot von pulsnetz MuTiG unterstützt Einrichtungen dabei, vergleichbare Vorhaben strukturiert und partizipativ umzusetzen – von der Bedarfsanalyse über die Auswahl geeigneter Lösungen bis hin zur Einführung und Evaluation. Im Fokus steht dabei, Lösungen zu entwickeln, die im Arbeitsalltag tragen und von den Mitarbeitenden wirklich genutzt werden.

Yvonne Großmann Hochschule Hof


