Modelle zur Erfassung von Digitalkompetenzen Wissen

Zum Nutzen von Modellen zur Erfassung von Digitalkompetenzen

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Kompetenzmodellen, die dazu dienen sollen, digitale Kompetenzen zu definieren, zu messen und zu entwickeln. 
 
So definiert z.B. das DigiComp Modell der EU Digitalkompetenzen in der Breite für Bürger*innen in Europa. Hier werden 5 Kompetenzcluster genannt: Informations-und Datenkompetenz, Lösung von Problemen, Kommunikation und Kollaboration, Erstellung von digitalen Inhalten sowie Schutz und Sicherheit. Auch der Deutsche D21 Digitalindex nimmt das DigiComp Modell als Grundlage um die Digitalkompetenzen der deutschen Bevölkerung zu messen. Zahlreiche andere Digitalchecks und Metastudien zeigen, dass die übergreifenden Kategorien dieser übergreifenden Modelle zwar variieren, aber grundsätzlich Ähnlichkeiten zeigen.
 
Das Projekt Digitales Deutschland bündelt aktuelle Kompetenzmodelle und Studienergebnisse zur Medien- und Digitalkompetenz und schafft über ein Rahmenkonzept eine wissenschaftlich fundierte Grundlage dafür, diese in Bezug zueinander setzen zu können. Weiter helfen auch der deutsche und/oder der europäische Qualifikationsrahmen, um Digitalkompetenzen weiter zu spezifizieren und einzuordnen.

Studien wie der DQ Global StandardFuture Skills, oder der Bericht zu kompetenz- und Qualifizierungsbedarfen des BMAS versuchen zu differenzieren, welche Kompetenzen bei Fachkräften im Allgemeinen weiterentwickelt werden müssen, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Hier zeigt sich jedoch, dass Anforderungen je nach Branche und Hintergrund sehr unterschiedlich sein können. Deshalb empfiehlt es sich, Digitalkompetenzen stets kontextbezogen zu definieren, zu messen und zu entwicklen. 
 
An Modellen wie dem DigiComp Modell oder dem D21 Index kann kritisch gesehen werden, dass der Fokus primär auf Wissensbestände gesetzt wird.  Die Dimensionen der beruflichen Handlungsfähigkeit und die Fähigkeit der Beschäftigten zur reflexiven Selbstorganisation ihrer Arbeit in neuen und digital gestützten Arbeits- und Organisationskonzepten rutscht in den Hintergrund. Dies ist jedoch insbesondere im Kontext von Digitalkompetenzen bei Pflegefachkräften von großer Wichtigkeit.

Digitalkompetenzen in Deutschland 

Ein Blick auf die Ergebnisse der deutschen Studie D21 zeigt, dass der “digital skills Gap“ in Deutschland zunehmend wächst: D.h. die Gruppe, die bereits starke Digitalisierungskompetenzen besitzen, eignen sich zunehmend mehr an, während die Gruppe, die ohnehin schon weniger Kompetenzen hat, immer weiter zurückbleibt. Hier zeigt sich weiterhin, dass insbesondere Menschen mit „Bürojobs“ sich leichttun, sich digitale Kompetenzen anzueignen. Zudem sind digitale Kompetenzen stärker bei Männern als bei Frauen ausgeprägt. Es zeigt sich, dass insbesondere einfache Anwendungskompetenzen (z. B. Internetrecherchen durchführen: Smartphone-Nachrichten und -Fotos versenden) bei der Mehrheit der Bevölkerung gut entwickelt sind. Bei anspruchsvolleren bzw. komplexeren Anwendungen wie z. B. Gestaltungs- oder Problemlösungskompetenzen gibt es mehr Nachholbedarf. Der größte Handlungsbedarf liegt jedoch beim Aufbau von „Verständniskompetenz“– dem Verstehen von Zusammenhängen und dahinterliegenden Mechanismen von digitalen Anwendungen und Geräten.
 
Diese übergreifenden Ergebnisse lassen annehmen, dass Pflegekräfte, die in der Regel weiblich sind, keinen universitären Bildungshintergrund und keinen Bürojob haben, in der Gesamtbetrachtung der Bevölkerung eher über geringer ausgeprägte digitale Kompetenzen verfügen.

Wie werden Digitalkompetenzen in Deutschland angeeignet?

Ein interessanter Einblick der D21 Studie ist auch, wie Digitalkompetenzen angeeignet werden. Hier ist das Lernen durch Ausprobieren, wie auch das informelle Lernen durch Hilfe von Bekannten, Freunden und Kolleg*innen wesentlich stärker gewichtet als Lernen über Fort- und Weiterbildungsangebote. Auch hier lässt sich für die Pflege folgern, dass rein formell angelegte Qualifizierungskonzepte nur bedingt wirksam sein können und durch informelle Strukturen gestützt sein sollten.

Fazit: sind übergreifende Modelle zu digitalen Kompetenzen hilfreich für die Entwicklung von Qualifizierungskonzepten für die Pflege?

Allgemeine und übergeordnete Kompetenzmodelle sind hilfreich, um Vergleichbarkeit und Messbarkeit in der Breite zu gewährleisten. Zur Entwicklung von wirksamen Qualifizierungsangeboten in spezifischen Tätigkeitsbereichen sind sie jedoch nur bedingt aussagekräftig und hilfreich. Aus diesem Grund lohnt sich zum Aufbau von Qualifizierungskonzepten für die Pflege ein Blick in die spezifischen Kontext- und Ausgangsbedingungen und Bedarfe. 

 

 

Autorin: Dr. Miriam Wolf (vediso e. V.)
Bild: Initiative D21 e.V.

 

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